(28.12.2011/Knurrhahn) Ausgerechnet ihre gewinnbringendsten Vertriebsmitarbeiter haben der Wüstenrot einen schlüpfrigen Skandal eingebrockt. Bei einer 200.000 Euro teuren Belohnungsreise nach Brasilien soll ein Teil der 51-köpfigen Gruppe im Puff gelandet sein. Das Unternehmen, das Bausparprodukte und Lebensversicherungen verkauft, muss nun um sein Image fürchten. Wir kennen derlei Eskapaden bereits aus der Vergangenheit; Die Lustsause der Wüstenrot-Mitarbeiter weckt Erinnerungen an den Ergo-Skandal aus diesem Jahr.

Ein Mitarbeiter erzählt gegenüber dem Handelsblatt, man sei mit einem weißem Reisebus direkt vor die Türen des Bordells gekarrt worden, wo gut die Hälfte der Herren, inkl. Bereichsleiter und Direktoren den Sex Club betraten und sich auf Firmenkosten im Barbarella amüsierten. Hier soll es mit reichlich Alkohol und vielen Prostituierten auch auf den Zimmern weiter gegangen sein.

Der Konzern scheint sich seinen Geldmaschinen nicht ganz sicher zu sein und gab seiner Creme der Creme, den Besten der Besten im Außendienst, gestandenen Herren in Anzügen vorsichtshalber zwei Aufpasser mit auf den Weg. Die beiden selbstständigen Handelsvertreter die auf ihre Kollegen aufpassen sollten sind mittlerweile suspendiert worden. Die Wüstenrot bestätigt den Vorfall, verweist jedoch auf eidesstattliche Versicherungen der Teilnehmer, das das Abenteuer auf eigene Faust hin, nach Abschluss der Bustour stattgefunden habe und so nicht von den Eventmanagern geplant gewesen sei.

Nun stelle man sich bitte die beiden armen zum Aufpassen verdonnerten Handelsvertreter vor. Eine Horde grölender Außendienstler im Bus, fern der Heimat, die eigenen Vorgesetzten wahrscheinlich ganz vorne in der Schlange, das Ganze vor dem größten Puff der Copacabana und kurz vor der seit einem Jahr für gute Leistungen versprochenen, sensationellen Belohnung. Hier trifft es sicherlich die Richtigen, die beiden hätten sich vor die Türen des Busses stellen müssen und hätten ein Aussteigen verhindern müssen. So wäre es wohl nie dazu gekommen, dass die Polizei einen der Direktoren mit einer Prostituierten am Strand aufgegriffen hätte, obwohl auch er sicherlich zu den Mittarbeitern gehört, die den teuersten Puff Rios mit einem harmlosen Tanzlokal verwechselt haben.

Zukünftig werde es Belohnungen dieser Art bei der Wüstenrot nicht mehr geben, heißt es aus Firmenkreisen, Reisen an sich seien für immer gestrichen. Bis März 2012 werde nun ermittelt, ob es auch bei vergangenen Reisen zu Ausschreitungen gekommen sei. Nachdem der Konzern am Montag noch verlauten ließ, Reisen seien eine "erfolgreiche Form der Anerkennung, die in vielen Vertrieben als etabliertes Instrument genutzt werden", heißt es nun aus dem Mutterkonzern W&W „Solche Anreizsysteme seien nicht mehr zeitgemäß." Man werde die Mitarbeiter jetzt anders bei der Stange halten.

Vielleicht sollten die Versicherungen es machen wie die Reeder dieser Welt. Man trifft sich einmal im Jahr zum Eisbein trinken in Hamburg, lässt dafür einen Großteil aller Huren aus Europa anreisen, jeder weiß es, alle machen mit, die Zeitungen dürfen berichten und keinen stört es.

Bezahlen werden es wie auch immer die Verbraucher, ausbaden werden es immer die „Kleinen“ und die Herren Klinkenputzer werden auch weiterhin dem Alkohol frönen und die Huren reich machen. Die die sich trauen, werden weiterhin auf die herab blicken, die sich nicht trauen und die, die sich nicht trauen, werden weiterhin verärgert sein, das sie sich nicht trauen auf Spesen in den Puff zu gehen.