Partnerzwang

(06.09.2011/Susanne) Singles haben es nicht leicht. Einmal ganz davon abgesehen, dass einem selbst dann ab und zu doch einmal ein Partner für die Dinge fehlt, die zu zweit einfach mehr Spaß machen, wenn man sich grundsätzlich bewusst fürs Single Dasein entschieden hat, hat man auch noch mit anderen Nachteilen zu kämpfen.
Einer dieser Nachteile ist der Gruppenzwang - den man in diesem Zusammenhang vielleicht lieber Partnerzwang nennen sollte. Noch immer gilt es in unserer Gesellschaft als die Norm, ja geradezu als Pflicht, zu zweit zu sein. Je nachdem, wie ernst jemand, der schön brav in einer Zweierbeziehung lebt, so wie er das meint zu sollen, es mit dem Missionieren meint, kann seine Reaktion auf Singles von Mitleid über Herablassung und gute Ratschläge für die Partnersuche bis hin zu harschesten Behauptungen über Bindungsunfähigkeit und so weiter gehen.
Wenn man sich einmal betrachtet, wie unglücklich sehr viele existierende Beziehungen sind, fragt man sich als Single automatisch, woher solche Menschen die Frechheit nehmen, einem ins eigene Leben und in die Partnerwahl - oder eher Partner-Nichtwahl - hineinzureden. Allerdings ist dieser logisch-vernünftige Gedanke nicht immer dazu geeignet, es einen Single leichter verkraften zu lassen, wenn man wieder ein "Gebundener" meint, ihm das Leben erklären zu müssen.
Niemand hat gesagt, dass der Mensch nur zu zweit existieren kann. Wer in diesem Zusammenhang die Bibel bemüht, muss sich fragen lassen, ob er die denn auch sonst immer so hoch hält wie an dieser Stelle.
Als Single alleine zu leben, mit oder ohne vorübergehende Sexabenteuer, ist also zunächst einmal eine völlig wertfreie Lebensentscheidung.
Ob es auch die richtige Entscheidung ist, das muss jeder selbst wissen und ganz individuell für sein eigenes Leben beantworten. Andere geht das noch weniger als einen feuchten Kehricht an. Und wer auf jeden Single eifersüchtig ist, weil der ihm vielleicht den eigenen Partner wegschnappen könnte, zeigt nichts als die eigene Schwäche.
Natürlich gibt es Singles, die in einer Beziehung glücklicher wären und auch verzweifelt nach entsprechenden Kontakten suchen. Es gibt aber auch verheiratete Frauen und Männer, die als Single weit besser dran währen und sich sehr nach diesem Zustand sehnen.
Letztlich ist es mit den Beziehungen so wie mit allem im Leben; ob nun Freundschaft oder Sachwerte wie Geld. Nicht jeder hat sie, und wer sie hat, ist nicht immer glücklich damit; ebenso wenig wie jemand, der sie nicht hat, automatisch unglücklich ist.
Mitleid ist nie angebracht, höchstens Mitgefühl, wenn das Leben eines Menschen anders aussieht, als er dies gerne hätte. Dabei muss aber eine bewusste Entscheidung für einen bestimmten Lebensstil, ob nun Single, Teil einer Zweisamkeit oder Teil einer Sexkommune, immer erst einmal fraglos akzeptiert werden.
Sehen wir den Tatsachen ins Auge - es gibt immer mehr Singles, und vor allem gibt es immer mehr Singles, die bewusst alleine leben und dies wollen.
Der Markt für erotische Kontakte hat sich da längst angepasst - schon seit langem gibt es nicht nur die "Heiratsvermittlungen" für ernsthafte Heiratsabsichten und die Singlebörsen, wo man feste Beziehungen sucht, sondern auch die Sexbörsen für flüchtige und unverbindliche Kontakte, für das sogenannte Casual Dating.
Da scheint die Adultbranche der allgemeinen gesellschaftlichen Moralisiererei einen ganzen Schritt voraus zu sein.






