XXX-Domains

(03.12.2011/grafwagner) In einem aktuellen Artikel auf AWB findet sich folgendes Zitat über den Einsatz von XXX-Domains: „Wir glauben, dass die Zukunft der Erwachsenenunterhaltung in den XXX Top Level Domains liegt“ sagte Adam Osborn, Head of Digital bei Paul Raymond. „Wir sehen einen großen Mehrwert darin, dass Adult Communities ihren eigenen Platz im Web bekommen.
Von der Idee, bis zur Einführung von XXX-Domains vergingen 10 Jahre. Eine durchwachsene Dekade mit zähen Verhandlungen und regelmäßigen Rückschlägen für die Befürworter einer augenscheinlich sauberen Lösung. Eine breite Front gegen die Einführung dieser Domainendung argumentierte mit Absurditäten. Wenn man als Staat/Kulturkreis in der Öffentlichkeit generell die Existenz von Sex und Begierde als Lustgewinn ablehnt, bzw. ausblendet, nur im Dunkeln exerziert, wie kann man dieses Teufelswerk dann in Form eines eigens dafür erschaffenen Domainlevels akzeptieren?! Fundamentale Standpunkte müssten neu überdacht und möglicherweise in ihrer Ansicht revidiert werden.
In 10 Jahren „Sie sind drin“ hat sich die globale Online Erotik auf allen nur denkbaren Top Levels angesiedelt (breit gemacht) und zu einem Milliardengeschäft etabliert. Bestehende und über die Jahre gewachsene Domain Fundamente, Ertragssäulen, Verzweigungen und Verästelungen (Links) zu Gunsten eines in seiner Entstehung umstrittenen und damit anfälligen Cyber-Standortes auf zu geben, weil jetzt XXX-Domains verfügbar sind, dürfte ein Irrglaube sein.
Eine Netzwerk Erweiterung mittels XXX-Domains zum bereits vorhandenen Angebot ist sicher überlegenswert. Vor allem, wenn sich mit der neuen Domainendung ein gutes Seiten-Branding formen lässt, oder eine Kampanien Nutzung sinnvoll erscheint. Eine vollständige Netzwerkumstellung auf XXX-Domains könnte sich mittelfristig zu einem Eigentor entwickeln.
Die über alle Domainlevels weit verzweigte Online Erotik hat den Vorteil, dass sie irgendwie immer ihre Kunden erreicht und erreichen wird. Ein handzahmes und durch den expliziten Domainlevel kontrollierbares und verordnetes Netz birgt erhebliche Risiken für den Seitenbetreiber. Zugangsprovider und ganze Staaten können und werden XXX Traffic sperren. Andere Staaten werden hohe Hürden legen, um sich auf XXX bewegen zu dürfen. Das Fluidum der Online Erotik würde über die Regulierbarkeit mit geistesgestörten Jugendschützern als Geschlechtsakt-Architekten, zum klinischen Patienten mutieren. So dass der Erotik Konsument von morgen auf alte Hilfsmittel zurück greift, seine sexuellen Phantasien nicht mehr im virtuellen Ghetto auslebt, sondern auf den Bademoden Seiten im Otto Katalog.
Wir befinden uns in einer Zeit, in der Freiheiten der 70er, 80er und auch noch 90er Jahre in Europa und nahezu weltweit radikal eingeschränkt und den Menschen entwendet werden! Ein Ende dieser Rückentwicklung, dieser gesellschaftlichen Verkümmerung durch Selbstleugnung, ist nicht in Sicht.






