Das Wunder im Berliner Taxi
(22.02.2012/Graf Wagner) Es scheint, Deutschland bekomme am 18. März 2012 seinen eigenen Barack Obama in der präsidialen Disziplin: Moral und Ethik einer Nation. Wir erinnern uns, der vorherige Bundespräsident Christian Wulff musste aufgrund seiner systemischen Schnäppchenjagd und penetranten Vorteilsgier das „höchste“ Amt der Bundesrepublik räumen. Jetzt, mit 20 Monaten Verspätung, wird sein Nachfolger der 72jährige Joachim Gauck. Ein ehemaliger DDR Bürgerrechtler und evangelischer Freiheitstheologe mit einem sehr bewegten Lebenslauf.
Der Taxifahrer, der Herrn Gauck vom Berliner Flughafen zum Bundeskanzleramt fuhr wird nun Talk-Gast bei Herrn Gottschalk im Vorabendprogramm. Er hat leibhaftig das Wunder von Berlin miterlebt in seinem Taxi. Als Frau Merkel seinen Fahrtgast auf halber Strecke am Mobiltelefon anrief und er das Autoradio leise drehte, damit Herr Gauck die Stimme des Anrufers auch hören konnte. Nicht auszudenken, wenn der Taxifahrer mit der Lautstärke nicht so geistesgegenwärtig gehandelt hätte, oder ausgerechnet im Augenblick des staatstragenden Anrufs das Beförderungsmobil in einem Funkloch gesteckt hätte; die möglichen Folgen nicht auszudenken für die Nation.
Aber es sollte alles passen an diesem Sonntag in der kalten Karnevalszeit, kurz vor dem Aschermittwoch. Herr Gauck wird Präsident der Bundesrepublik Deutschland und alle bis auf die Linkspartei schwelgen in Glückseligkeit. Alle? Nun, Frau Merkel sollte man in dieser Hinsicht auch erwähnen, sie dürfte ebenfalls nicht ganz so freudig mit diesem Kandidaten sein. Ihre letzten beiden Besetzungen sind im Wesentlichen an ihrem Stasi2.0 Machtkalkül als Bundeskanzlerin gescheitert. Die Linke orakelt nun mit Georg Schramm einen Gegenkandidaten zu Herrn Gauck auf zu stellen. Herr Schramm, hauptberuflich ein begnadeter Politik-Kabarettist, hätte sicher seine wahre Gaudi beim Urnengang im Bundestag. In wie weit er als möglicher Kandidat der Linke dann verfassungsschutzrelevant wird bliebe abzuwarten.
Einen kleinen Fauxpas gab es an diesem denkwürdigen Tag dennoch, diesen lieferte zuverlässig wie so oft das Oberhaupt vom Remake-Teletubbie-Quartett. Praktikant Rössler fragte Herrn Gauck bei Begrüßung im Kanzleramt flapsig: „Na, wie haben Sie denn Ihr Haus finanziert?“ Herr Gauck habe peinlich berührt gewirkt, berichteten mehrere Teilnehmer der Sitzung.
Und dann gibt es da noch den CSU-Familienpolitiker Norbert Geis, der dem designierten Herr Bundespräsidenten empfahl seine wilde Ehe mit einem Trauschein in geordnete Bahnen zu lenken. Dafür bekam er dann ziemlich zügig von allen Seiten eine Watschen.
Wahrscheinlich wird sich im Bundespräsidialamt mit Herrn Gauck und mit der Volkserfahrung durch die zurück liegende Nord-Süd-Schnulli-Delegation augenscheinlich so manches wandeln. Herr Gauck ist in seinen Ansichten und Aussagen kontrovers. Man sagt, er sei ein Fanatiker der Freiheit aber zugleich, was ihm seine Kritiker vorwerfen, soll er ein Defizit im Verständnis von Gerechtigkeit haben. Die ersten Gegen-Gauck Seiten sind bereits online. Diese thematisieren seine IM Vita, dass er zu DDR-Zeiten ein Automobil aus dem Westen fuhr (VW-Bus) und auch regelmäßig zu den Imperialisten reisen durfte.
Einfach wird die neue Aufgabe für Herrn Gauck nicht, wenn er dann tatsächlich gewählt ist, seinen Amtsschwur abgeleistet hat und ins Schloss Bellevue einzieht. Die Standards, respektive die Erwartungen an ihn nach dem noch frischen Wulff Endlosschleifen-Desaster sind Schwindel erregend hoch. YES HE CAN!
Wünschen wir Herrn Gauck ein glückliches Händchen beim Formulieren seiner Reden und dem, was ein Bundespräsident sonst so den lieben langen Tag zu erledigen/erleiden hat. Dies in einem Land, in dem Bürger systembedingt bereits mit dem ersten Wimpernschlag am Morgen gegen irgendwelche Gesetze und verschrobene Moralvorstellungen verstoßen haben.







